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Die italienische Krisenbank Monte dei Paschi plant eine Erhöhung ihres Kapitals


Die italienische Krisenbank MPS braucht schon wieder neues Kapital. Wie steht es um den Bankensektor des Landes?

VIDEO: Krisenbank Monte dei Paschi unter Druck - corporate
euronews (deutsch)

Die italienischen Banken haben in den letzten Jahren massiv faule Kredite abgebaut. Doch in ihren Portfolios sind weiterhin viele Staatsanleihen, zudem leiden sie unter dem hohen Spread zwischen deutschen und italienischen Bonds.

Die MPS gilt als die älteste noch existierende Bank der Welt. Vor wenigen Jahren musste sie vom italienischen Staat «gerettet» werden.

Die mehrheitlich staatliche italienische Krisenbank Monte dei Paschi di Siena (MPS) erhält neues Geld. Mit der an diesem Montag startenden Kapitalerhöhung von 2,5 Milliarden Euro soll eine drohende Kapitallücke geschlossen und der Abbau von 4000 der 21 000 Stellen finanziert werden. Der Steuerzahler muss erneut bluten: Rom beteiligt sich an der Massnahme mit 1,6 Milliarden Euro. Dass das Geld gut angelegt ist, darf bezweifelt werden. Bei fünf Kapitalerhöhungen sind in den vergangenen 14 Jahren fast 25 Milliarden Euro verbrannt worden. Der Staat musste das Institut 2017 mit einer Kapitalspritze von 5,2 Milliarden «retten».

Die noch fünftgrösste Bank Italiens sucht einen Partner. Doch Interessenten wie Unicredit sind trotz Milliarden-Zugeständnissen der Regierung abgesprungen. Die Bank sitzt mit einer Aufwandquote von 71 Prozent auf zu hohen Kosten, ist wenig ertragsstark, ist in teure Rechtsstreitigkeiten verwickelt und hat italienische Staatsanleihen im Umfang von 13 Milliarden Euro in der Bilanz stehen. Mehr als 8 Milliarden davon sind nach Marktpreisen (Fair Value) verbucht. Bei einem Wertverlust von nur 10 Prozent droht ein Kapitalverlust von 800 Millionen Euro. Sollte es zu einem Verkauf kommen, muss der Steuerzahler wohl noch einmal bluten.

Die italienischen Banken stehen deutlich besser da

Doch abgesehen von Monte dei Paschi und der verstaatlichten (kleinen) Volksbank von Bari stehen Italiens Banken nach diversen Rettungsaktionen, die den Steuerzahler viele Milliarden Euro gekostet haben, deutlich besser da als in der Finanzkrise. «Ich sehe keine Problematik auf der Bankenseite. Die Institute sind sehr gut kapitalisiert, haben ihre Kosten massiv reduziert, profitieren von steigenden Zinsen und höheren Teuerungsraten. Das Bankensystem ist heute sehr robust», sagt Stefano Caselli, Bankenprofessor an der renommierten Mailänder Universität Bocconi.

Die italienischen Banken haben in den letzten zehn Jahren 12 000 Geschäftsstellen geschlossen. Das Volumen fauler Kredite wurde von 360 Milliarden Euro (brutto) im Jahr 2015 auf 84 Milliarden im Jahr 2021 reduziert. «Die Stärkung der Banken ist klar sichtbar, wenn wir beispielsweise auf die Kapitalisierung schauen, die mit etwa 15,3 Prozent doppelt so hoch ist wie Ende 2007 und nun im europäischen Durchschnitt liegt», sagt Giovanni Sabatini, Generaldirektor des Bankenverbandes Abi.

Zur Stärkung beigetragen hat eine beispiellose Fusionswelle. Innerhalb von nur fünf Jahren nahm die Zahl unabhängiger Bankengruppen von mehr als 430 auf etwa 100 ab. Intesa Sanpaolo, Unicredit und Mediobanca gehören zu den ertragsstärksten Banken Europas. Sie haben ihr Geschäftsmodell umgestellt und setzen verstärkt auf Bancassurance, Vermögensberatung und Beratung von mittelständischen Unternehmen.

Vor allem kleinere Institute sind bedroht

Doch der Spread zwischen zehnjährigen deutschen und italienischen Staatsanleihen ist nach den Parlamentswahlen vom 25. September zeitweise auf mehr als 250 Basispunkte gestiegen, was die Refinanzierungskosten für den mit 150 Prozent des Bruttoinlandprodukts verschuldeten Staat, aber auch für die Unternehmen deutlich erhöht. Es drohen Kreditausfälle.

«Die Gefahr liegt heute in einem Übergreifen einer allgemeinen Wirtschaftskrise auf das Bankensystem», sagt Caselli. Abi-Präsident Antonio Patuelli fordert deshalb eine Verlängerung und Ausweitung staatlicher Kreditgarantien und Moratorien über das Jahresende hinaus.

Notenbank-Chef Ignazio Visco ist vor allem um kleinere Institute besorgt. Die Banca d’Italia, das Wirtschaftsministerium und der Einlagensicherungsfonds FITD der Privatbanken arbeiten an der Einrichtung eines Hilfsfonds im Volumen von 500 bis 600 Millionen Euro. Den Grossteil der Kosten müsste wohl der Staat tragen.

Italiens Banken halten zudem hohe Bestände heimischer Staatsanleihen. Nach Angaben der Banca d’Italia hielten sie im Juli staatliche Bonds im Umfang von 415 Milliarden Euro. Der Bankenverband weist darauf hin, dass davon 80 Prozent zu historischen Kaufwerten verbucht sind und nur 20 Prozent entsprechend den schwankenden Marktpreisen.

Im Falle eines drastischen Anstiegs des Spreads drohen jedoch dramatische Kursverluste die Bilanzen der Banken zu belasten. Caselli hält die Gefahr für gering. «Das wäre nur dann realistisch, wenn eine neue Regierung die falschen Schritte unternähme.»

Der Konstanzer Ökonomieprofessor und frühere OECD-Ökonom Eckhard Wurzel ist da skeptischer. «Relativ zu risikoabsorbierendem Eigenkapital ist das Volumen an heimischer Staatsschuld, das von den Banken gehalten wird, in Italien deutlich höher als in den anderen Ländern des Euro-Gebiets.» Das erhöhe nicht nur das systemische Risiko im Bankensystem, sondern erschwere auch notwendige Anpassungen der Europäischen Bankenregulierung beim Verhältnis von der Eigenkapitalausstattung der Banken zu deren Krediten an den Staatssektor. Italiens Banken müssen auf Euro lautende Bankkredite an den Staat nicht mit Eigenkapital unterlegen, im Gegensatz zu allen anderen Krediten. «Das stellt eine Lücke in der Sicherheitsarchitektur des Finanzmarktes dar», findet Wurzel.

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Author: Amy Lane

Last Updated: 1704024722

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